Case Study Industriegeräte

Vom bewährten Zündgerät zur Serienfertigung

Höhere Belastungen, neue Marktanforderungen und ein enger Zeitplan: Gemeinsam mit dem Kunden überführte P&R ein bewährtes Industriegerät innerhalb von sechs Monaten in die Serienfertigung.

Das Projekt im Detail
Montage der elektronischen Baugruppe eines Zündgeräts in ein Metallgehäuse
Montage der vorgeprüften und kalibrierten Baugruppe in das Metallgehäuse.
Vom Projektstart bis zur Serienfertigung
6Monate
Für Entwicklung und Aufbau des Testsystems
3Wochen
Produkt und Fertigung gemeinsam weiterentwickelt
Seriestatt Kleinserie

01 / AUSGANGSLAGE

Ein bewährtes Gerät vor neuen Anforderungen

Das Zündgerät war bereits seit vielen Jahren erfolgreich in der Industrie im Einsatz. Für einen neuen, sicherheitskritischen Anwendungsfall musste es anspruchsvolleren Umgebungsbedingungen standhalten. Gleichzeitig sollten Bauteile, Fertigung und Montage für die Serienproduktion ausgelegt werden. Auch der Einsatz auf dem amerikanischen Markt war vorgesehen.

Der Projektplan sah sechs Monate bis zum Produktionsstart vor. In diesem Zeitraum mussten die Produktzertifizierung durch eine externe Zulassungsstelle, Materialbeschaffung und Lieferkette, eine freigegebene Test- und Prüfanlage sowie die Freigabe der Produktionslinie zusammenkommen.

02 / ANFORDERUNGEN

Was das weiterentwickelte Gerät leisten sollte

  • Thermische Belastbarkeit

    Höhere thermische Dauerbelastungen im neuen Einsatzbereich bewältigen.

  • Mechanische Robustheit

    Hochdynamischen Schwingungen beim Transport und im Betrieb standhalten.

  • Längere Lebensdauer

    Das Bestandsgerät für eine erweiterte Produktlebensdauer überarbeiten.

  • Rückverfolgbarkeit

    Bauteile und Komponenten über Beschaffung und Fertigung nachvollziehen.

  • Amerikanischer Markt

    Die erforderliche Zulassung in die Produkt- und Prozessentwicklung einbeziehen.

  • Wirtschaftliche Fertigung

    Herstellungskosten reduzieren und den Übergang in die Serie vorbereiten.

Elektronische Unterbaugruppen des Zündgeräts in schwarzen ESD-Transportkisten
Elektronische Unterbaugruppen in ESD-gerechten Transportkisten.

03 / UMSETZUNG

Produkt und Produktion gemeinsam weiterentwickeln

Design for Manufacturing

Produkt und Montage gemeinsam entwickeln

P&R setzte Design for Manufacturing in Anlehnung an VDI 2221 ein. Nach Klärung der Anforderungen und einer eingehenden Produkt- und Produktionsanalyse wurden Leiterplattenkontur und Gehäuse auf eine schnelle Montage ausgelegt.

Sicherheitsrelevante und stark beanspruchte Bauteile wurden durch UL-zertifizierte Produkte mit höheren Leistungsgrenzen ersetzt. Schwere Bauteile wurden zusätzlich auf der Leiterplatte gesichert. Hochspannungsführende Komponenten wurden mit UL-zugelassenen Materialien gekapselt.

Material und Lieferkette

Kostentreiber erkennen und die Beschaffung ausrichten

Wiederkehrende Kostenstruktur- und ABC-Analysen machten Einsparpotenziale sichtbar. Weniger als fünf Komponenten verursachten den Großteil der Materialkosten. Der Einkauf bewertete diese Kostentreiber regelmäßig anhand aktueller Preise und gab die Ergebnisse an Entwicklung und Fertigung zurück.

Eine internationale Lieferkette senkte die Materialkosten. Die Qualifizierung der Lieferanten stärkte die Widerstandsfähigkeit der Beschaffung.

Baugruppenfertigung und Box Build

Fertigungsabläufe für die Serie verbessern

Bei THT-Bestückung, Schwalllöten und THT-Handlöten wurden Durchlaufzeiten und Ergonomie optimiert. Dafür entwickelte, fertigte und erprobte P&R spezielle Halte- und Montagevorrichtungen. Elektro- und Drehmomentschrauber ergänzten die Fertigung als teilautomatisierte Hilfsmittel.

Ein halbautomatisches optisches Montage- und Inspektionssystem kontrolliert die Vollständigkeit und Lage der Bauteile. Dadurch wird die manuelle optische Inspektion verkürzt. Die vorgeprüfte und kalibrierte Baugruppe wird anschließend in das Metallgehäuse montiert.

Testsystem und Qualitätssicherung

Prüfung und Zertifizierung parallel voranbringen

Parallel zur Produktweiterentwicklung lief die Zertifizierung durch TÜV Süd. Produktdesign, Materialstückliste und Prüfumfang wurden dabei festgelegt. Auf dieser Grundlage entwickelte und baute P&R gemeinsam mit dem Kunden innerhalb von drei Wochen ein Testsystem für sichere, reproduzierbare Prüfungen gemäß den Arbeitsschutzvorschriften.

Bei der abschließenden Besichtigung der Fertigungsstätte durch TÜV Süd wurde unter anderem das ISO-9001:2015-Zertifikat überprüft. Die Fertigung nach IPC A-610 und IPC A-630 sowie der etablierte Umgang mit UL-zertifizierten Komponenten und deren Rückverfolgbarkeit unterstützten den Prozess.

Eng abgestimmt mit dem Kunden

Kunde, Engineering und Einkauf arbeiteten eng zusammen. Das reduzierte Iterationsschleifen auf ein Minimum und ermöglichte die Einhaltung des Zeit- und Kostenplans. Der gemeinsame Erfahrungstransfer bei der Box-Build-Montage soll auch zukünftige Projektstarts erleichtern.

04 / ERGEBNIS

Serienfertigung innerhalb des geplanten Zeitrahmens

Nach sechs Monaten war die Weiterentwicklung abgeschlossen und das Gerät in die Serienfertigung überführt. Beschaffung, PCBA-Fertigung, Logistik, Box-Build-Montage und Qualitätsüberwachung wurden dafür gemeinsam weiterentwickelt.

  • Serienproduktion etabliert

    Die Fertigung erfolgt in Serie; der vorgegebene Zeit- und Kostenplan wurde eingehalten.

  • Materialkosten gesenkt

    Eine internationale Lieferkette und qualifizierte Lieferanten verbinden Kostenvorteile mit einer widerstandsfähigen Beschaffung.

  • Qualität laufend überwacht

    Wiederkehrende Werksinspektionen überwachen die Einhaltung der geforderten IEC-, DIN-EN- und UL-Standards.

AUTOREN

Dipl.-Ing. (BA) Anne-Katrin Gelhaar
Dr.-Ing. Paul Fürstmann

P&R Gerätetechnik GmbH, Schwedt/Oder

Fachliche Grundlagen
  • DIN EN ISO 9001:2015 — Qualitätsmanagementsysteme – Anforderungen. 2015.
  • IPC A-610J:2024-03-01 — Abnahmekriterien für elektronische Baugruppen. 2024.
  • IPC A-630:2013-10-04 — Acceptability Standard for Manufacture, Inspection, and Testing of Electronic Enclosures. 2013.
  • VDI 2221 Blatt 1 — Entwicklung technischer Produkte und Systeme. Modell der Produktentwicklung. 2019.

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